Multiple Direktionen - Onlineportal von Stephan A. Lehrieder & Christoph Odendahl
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Zwiegespräch
Donnerstag, 13. Dezember 2018

Ein astrologisches Zwiegespräch

Eine fachlicher Disput zwischen dem „astrologischen Erben“ der Multis, des Enkels von Stephan A. Lehrieder - Christoph Odendahl - und - Werner Popp - dem Autor des Artikels: "Lehrieders Multiple Direktionen“ in der astrologischen Fachzeitschrift MERIDIAN aus dem Jahr 1993:

W. POPP:

Herr Odendahl, es freut mich, Sie persönlich kennen zu lernen. Herr Lehrieder, mein von mir außerordentlich geschätzter und verehrter astrologischer Lehrmeister hat bei unseren Zusammentreffen und unseren Gesprächen über die Multis immer mit sichtbarer Freude und großem Stolz berichtet, dass sein Enkel, Christoph Odendahl in seine Fußstapfen trete und sich intensiv dem Studium der Multis widme. Sie haben also ein verantwortungsvolles Erbe angenommen. Wie gedenken Sie, mit dem Vermächtnis Ihres Großvaters umzugehen?

C. ODENDAHL:
Ich habe bereits seit langem die Forschungsarbeit meines Großvaters aktiv mit begleitet, mit ihm und auch ohne ihn Vorträge und Seminare über die Multiplen Direktionsmethoden abgehalten. So beispielsweise zuletzt in Stuttgart anlässlich der Tagung der „Kosmobiologischen Akademie Aalen“. Hierzu und bzgl. weiterer Forschungen sind ausgearbeitete Manuskripte erhältlich. Des Weiteren ist noch in Zusammenarbeit mit Herrn Lehrieder eine neue Homepage entstanden, welche alle fachspezifischen Informationen und aktuelle Fallbeispiele ausweist und für jeden Interessenten zugänglich macht.

In Ihrem Beitrag über Lehrieders Multis im Vergleich mit / in Beziehung zu den Harmonics und zur Entwicklungspsychologie gehen Sie m. E. zu weit, verwässern die Bedeutung der Multis und erschweren deren Bewertung und Verständnis. Sie verkomplizieren dadurch die Sache und könnten Interessenten verwirren.

W. POPP:
Für mich war es außerordentlich erhellend, die Rolle der Harmonics als statische Zwischenpunkte der Multi 2 zu erkennen und mir den Zusammenhang in der Rechenmethode anschaulich und nachvollziehbar zu machen. Es ist wie ein Film und die (ganzzahligen) Harmonics bilden die Sprossen einer Leiter der kontinuierlichen Multi 2. Harmonics sind nun einmal unbestreitbar rechnerisch eindeutig die Multi-2-Horoskope zum jeweiligen Geburtstag. Sie entstehen aus der Multiplikation mit bzw. Teilung (Division) im Kreis durch die Ganzzahlen. Die Multi 2 zeigen dabei den kontinuierlichen (additiven) Weg, wie das Radix sich zum jeweiligen Harmonic hin dynamisch „bewegt und ent-wickelt“.

C. ODENDAHL:
Aber das lenkt womöglich von der Klarheit des Aspektgefüges hinsichtlich konkreter Ereigniszeitpunkte ab, verschiebt quasi deren Schwerpunkt und mindert deren präzise Aussagekraft!

W. POPP:
Das war keineswegs meine Absicht. Vielmehr erkannte ich dabei die Bedeutung der „Geburtstags-Multis“ als Ganzzahl-Harmonics und als relevant für die kindliche Entwicklungspsychologie. So fand ich den heuristischen Ansatz für eine neue Betrachtungsweise der Entwicklungspsychologie, die vielleicht sogar über die Kindheit hinaus weitergeführt werden kann. Die „Meilensteine“ der Multi 2 könnten dadurch zu ihrer Bedeutung als laufende Prognose-Faktoren am jeweiligen Geburtstag (analog zum Prinzip der Solare) zusätzlich Gewicht als Thematik für das zurückliegende oder anstehende, kommende, bevorstehende Lebensjahr gewinnen – zumindest in der Kindheit, vielleicht auch für die weiteren, späteren Jahre. Starkes und (mich) überzeugendes Indiz dafür ist die hochinteressante Plausibilität der ersten sieben bzw. 10 Jahre mit Sonne…bis Saturn, Uranus, eventuell sogar bis Neptun, Pluto im Rahmen der entwicklungspsychologischen Theorien der Psychologen. Man muss nur bereit sein, von senkrechter zu waagrechter Betrachtungsweise bzw. umgekehrt zu wechseln, wie das ja oft von der Astrologie gefordert wird. (Vgl. Buch: „Das senkrechte Weltbild“).

C. ODENDAHL:
Mir scheint, Sie könnten durch diese Auslegungen die eigentliche  Bedeutung und die Möglichkeiten der Multis von Lehrieder womöglich schmälern, wenn sie dessen Findung und Entwicklung auf diese gegenüber der Präzision der Multis doch sehr ungenaue Betrachtungsweise von zeitlich weitläufigen Lebensphasen reduzieren.

W. POPP:
Man sollte meine Intention anders verstehen: Mein Ansatz stellt die Multis in den Rahmen gewohnter und bekannter astrologischer Methoden, bietet neue Erklärungsansätze für die Gültigkeit zumindest der Multi 2. Die Prinzipien der Harmonics, Analogie zu Solaren sowie zyklische Betrachtungsweisen und Zusammenhänge machen die Multis akzeptabler für astrologische Skeptiker und begründen einen neuen theoretischen / methodischen Hintergrund zu deren deduktiven, theoretischen Erklärung und Plausibilität.

C. ODENDAHL:
In Ihren Äußerungen glaube ich zu erkennen, dass Sie die Erstmaligkeit der Multiplen Direktionen und somit Lehrieders wissenschaftliche Leistung nur eingeschränkt akzeptieren.

W. POPP:
Keineswegs. Ich bewundere vielmehr die Grundlagenarbeit meines astrologischen Lehrers und stelle ihn in eine Reihe mit bahnbrechenden neuzeitlichen, kontemporären Astrologen wie Robert Hand (Combin und Composit, dezimalzahlige Harmonics), Heinz Specht (GOH-Häuser, fälschlich als Dr.-Koch-Häuser bezeichnet), Kührs und Kündigs sowie Martin Freemans Direktionsmethoden usw. Rupert Sheldrake wies im übrigen nach, dass neue Verhaltensweisen und geniale neue Forschungsansätze oft „in der Luft liegen“, über die Funktion seiner „morphogenetischen Felder“. Wichtige naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Umbrüche werden oft gleichzeitig und völlig unabhängig voneinander von entfernten, sich fremden „Entdeckern“ gefunden. Hier haben Robert Hand mit dezimalzahligen Harmonics (= Multi 2) und Martin Freeman mit seinem Ansatz der dezimalzahligen Harmonics (= Multi 2) als Prognosemethode (mit dem kleinen, korrigierbaren Schönheitsfehler des +1) parallel und ohne Wissen voneinander Teilergebnisse von Lehrieders viel umfassenderem und konsequentem Ansatz bereit gestellt, wir müssen sie nur erkennen und zusammenführen. Sie haben damit unserem Verständnis Vorschub geleistet, uns den gedanklichen Nachvolllzug ermöglicht /erleichtert und Erklärungsansätze vorbereitet, ohne es zu wissen und zu beabsichtigen. Meine Bereitschaft, mich mit den Multis zu befassen und auseinander zu setzen, ist dadurch jedenfalls wesentlich gefördert worden.

Wohin geht die Tendenz bezüglich der Multis Ihrer Meinung nach? Welche Absichten verfolgen Sie in Zukunft und welche Teilbereiche  stellen Sie in den Vordergrund? Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Ich sehe die Gefahr einer dogmatischen Verhärtung und Erstarrung, wenn man unnachgiebig und einengend an den bisherigen Erkenntnissen und Standpunkten von Stephan Lehrieder festhält. Oder gibt es eine Weiterentwicklung?

C. ODENDAHL:
Ausgangspunkt sind primär die Findungen und Begründungen meines Großvaters, die sich ursprünglich auf intensive Forschungen nach Zusammenhängen der Lotto-Zahlen gründeten, um objektive, zweifelsfreie und letztlich wissenschaftlich haltbare Beweise für die Richtigkeit und Funktionalität der Astrologie erbringen zu können.

Mein Großvater hat seine Forschung keineswegs als abgeschlossen angesehen. Vielmehr hat er immer vehement dafür plädiert, sie flexibel zu handhaben und weitere Anwendungsmöglichkeiten der Multis zu verfolgen und auszubauen sowie verifizierbare Begründungen zu ihrer Erhärtung zu sammeln. Wir stehen vermutlich noch immer erst am Anfang der umfangreichen Forschung und können laufend neue Erkenntnisse anhand unserer Untersuchungen sammeln. Es ist auch durchaus denkbar, die 5 bisherigen Varianten der Multiplen Direktionen um weitere Möglichkeiten zu ergänzen, denn jede logisch begründbare Modifizierung bzgl. der Multiplikationsfaktoren verdient meines Erachtens eine kritische Überprüfung.

W. POPP:
Ich bin in meinen Beiträgen zu den Multis (in diesem MERIDIAN und im ersten Artikel 1993) bemüht, eine quasi philosophische,  geisteswissenschaftliche oder gar naturwissenschaftlich-theoretische Begründung durch den Konnex mit astrologischen Axiomen, Prämissen und Methoden herzustellen. (Dies ist nicht immer mit ganz einfachen Worten darzustellen und zu formulieren.) Wie stehen Sie als Praktiker zu derartigen Versuchen und Absichten? Sehen Sie dies als hilfreich für Ihre praktische Arbeit und für die Überzeugungsarbeit hinsichtlich potenzieller Interessenten und Anwender oder als kontraproduktiv an, da eventuelle für manches Gemüt verwirrend und komplizierend? Ihr Großvater war da diesbezüglich – glaube ich – etwas ambivalent.

C. ODENDAHL:
Ich halte es - wie auch schon mein Großvater - für wichtig, ja unerlässlich, neben der  unverzichtbaren praktischen Beobachtung, auch naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Ansatzpunkte und Begründungen für die Multis und die Astrologie im Allgemeinen, zu formulieren.
Denn ohne die Bemühungen hinsichtlich einer logisch-rationalen Durchdringung der astrologischen Funktionsweisen, wird die angestrebte Einstufung als anerkannte Wissenschaft weiterhin verwehrt bleiben. Hier bietet gerade die wertexakte Methode der Multiplen Direktionen eine neue, aussichtsreiche Möglichkeit, den bestehenden Anfechtungen aussagekräftige und mathematisch verifizierbare Argumente entgegen zu stellen.
Die von Ihnen vertretene Herangehensweise einer vielschichtigen, syntheseorientierten und interdisziplinären Betrachtung entspricht demnach durchaus meinen eigenen Vorstellungen, auch ich halte dies für unumgänglich hinsichtlich weiterführender Erkenntnisse.



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Werner POPP
, Verwaltungs-Diplomwirt und Kriminaloberrat a.D., wird von Taeger (Horoskope-Lexikon, Band 4) als Wissenschaftsastrologe qualifiziert. Er schrieb einen Einführungsartikel über Lehrieders MULTIPLE Direktionen in MERIDIAN 5/1993, Seite 34 ff. Neben den dort und im Taeger-Lexikon genannten Tätigkeitsfeldern praktiziert er seit 1960 Zen-buddhistische Meditation, die er seit 1993 auch lehrt. Vgl.:Homepage www.astro-analytiker und www.tao-chan.de unter Zen-Lehrer. Er erwarb an der Universität Hagen einen Statistik-Schein sowie Programmierpraktika und betrieb u. a. am Uni-Rechner Kiel ein statistisch-ökonometrisches Forschungsprojekt „Kriminalprognose“ zwecks Prognostizierung der Entwicklung in bestimmten Kriminalitätsbereichen aufgrund von ökonomischen und sozi-demographischen Variablen / Faktoren.

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